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Wenn jede Sekunde zählt

Von seinem Herz-Kreislauf-Stillstand kann Franz-Dieter Rahner nichts erzählen, denn er hat keine Erinnerungen mehr. Dass er überhaupt noch erzählen kann, gleicht indes einem Wunder. Denn die Überlebenschancen in einem solchen Fall sind gering. Laut Deutschem Ärzteblatt überleben einen Herz-Kreislauf-Stillstand außerhalb eines Krankenhauses nur etwa zehn Prozent der Patienten. Franz-Dieter Rahner hat es sogar ohne Folgeschäden überlebt: „Ich fühle mich zu 95 Prozent wieder wie vorher", sagt er.

Dass es dem Ramsbacher heute so gut geht, hat er mehreren Tatsachen zu verdanken: dem im Ausbau befindlichen Netz mit öffentlich zugänglichen Defibrillatoren (Defis) in Oppenau sowie einer Schar von Ersthelfern, die sofort zur Stelle waren. Denn bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Minute.

Das DRK Oppenau setzt sich mit viel ehrenamtlichem Einsatz dafür ein, die Stadt Oppenau samt ihrer vielen Außenbereiche mit Defis zu versorgen. Dafür erhalten die Ehrenamtlichen viel Zuspruch und Unterstützung – und zwischendurch auch kritische Stimmen, die nach dem „Preis-Leistungs-Verhältnis“ der Geräte fragen. Dass die Defis Leben retten können, hat sich in diesem Sommer nicht nur bei Franz-Dieter Rahner gezeigt. Innerhalb von nur acht Wochen retteten die Defis zwei Leben in Oppenau. Das zweite war das von Rudolf Hug in Ibach.

Wie im Lehrbuch

Rudolf Hug und Franz-Dieter Rahner sind im Dezember mit ihren Angehörigen ins Feuerwehrhaus gekommen, um in einem Film über das Defi-Projekt von ihren Erfahrungen zu berichten. Bei beiden Betroffenen hat das Zusammenspiel von Defis und zur Hilfe eilenden Ersthelfern wie im Lehrbuch funktioniert. Claudia Roth-Rahner, Ehefrau von Franz-Dieter Rahner, berichtete, wie sie ihren Mann leblos auf dem Sofa sitzend vorfand, den Rettungsdienst rief und von der Leitstelle auf beeindruckende Weise angeleitet wurde, die Reanimation einzuleiten. „Der Mitarbeiter der Leitstelle hat wirklich an alles gedacht. Ohne diese gute Anleitung hätten wir das so nicht geschafft“, erzählt sie, wie sie gemeinsam mit ihrem Sohn die Herz-Kreislaufmassage vornahm. Innerhalb von wenigen Minuten kamen dann mehrere Ersthelfer an.

Hier bewährte sich die App „Region der Lebensretter“. In ihr sind Menschen mit medizinischem Hintergrund wie Pflegekräfte, Ärzte oder Rettungsdienstmitarbeiter registriert und werden alarmiert, wenn sie sich in der Nähe eines Herzstillstands befinden. Auch die Helfer vor Ort kamen zum Einsatz nach Ramsbach und so war nicht nur der Patient gut versorgt, sondern auch die Angehörigen konnten betreut werden.

Rudolf Hugs Herz-Kreislauf-Stillstand fand während der Geburtstagsfeier seines Sohnes in Anwesenheit vieler Verwandter und Freunde statt – inklusive eines Freunds, der 14 Tage zuvor gerade einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert hatte und sein Wissen gleich anwenden konnte. Auch hier war das Glück die schnelle Hilfe. „Die Zeit kam mir ewig vor, aber es waren nur ein paar Minuten und das Haus war voller Ersthelfer“, berichtet Rudolf Hugs Schwiegertochter Sarah Hug. Mehrere Retter wurden während ihres Trainings beim Athletenclub alarmiert, ein weiterer eilte von der Firma Mulag herbei, alle mit Defi im Gepäck. „Uns ist so ein Stein vom Herzen gefallen, als die Hilfe kam“, erzählt Sarah Hug.

Unterschied machen

Florian Hebding organisiert gemeinsam mit Susanne Bigott die Anschaffung der Defibrillatoren in Oppenau. Er ist nicht nur ehrenamtlich als Retter engagiert, sondern auch hauptberuflich im Rettungsdienst tätig und berichtet: „Ich arbeite nun 15 Jahre im Rettungsdienst. Die Menschen, die in dieser Zeit einen Herz-Kreislauf-Stillstand ohne Schäden überlebt haben, kann ich an einer Hand abzählen“. Dass in Oppenau nun gleich zwei Menschen dieses Glück hatten, zeigt, dass die Kombination auf Defi-Infrastruktur und engagierten Ersthelfern den Unterschied macht.

„Ich bin sehr dankbar, dass es dieses Defi-Projekt gibt und dass so viele Menschen, mich, meine Frau und meinen Sohn in dieser Situation so unterstützt haben“, sagt Franz-Dieter Rahner.